Kaiser Wilhelm I.

Blick auf den Barbarossahof

Station 4

Das Monument wurde mit Spendengeldern vieler Soldaten- und Kriegervereine finanziert. Am Anfang lief ja noch alles ganz gut, aber dann flossen die Spenden nicht mehr so üppig. Ein Kredit wurde aufgenommen. Wegen dieser finanziellen Lücken hat man wahrscheinlich den Abgrund vor Barbarossa nicht, wie ursprünglich geplant, gefüllt. Aber sieht doch toll aus: Aus dem zerklüfteten Reich Barbarossas erwächst das mächtige Reich von Wilhelm I., der erhaben hinausreitet!

 

1871 gründete Kaiser Wilhelm I. das Deutsche Kaiserreich. Bismarck war sein Kanzler, der das Land mit Zuckerbrot und Peitsche führte. So weit so gut, sagt der Geschichtsunterricht bis heute. Was weniger über ihn bekannt ist, ist das Liebesleben des „alten Herrn“. Alle Klatschblätter dieser Welt hätten heute ihre wahre Freude an so viel Dramatik um des Kaisers erste große Liebe. Auch damals war sie Gesprächsthema Nummer eins in ganz Europa. Eine Geschichte fast wie bei Jack und Rose in „Titanic“: Sie, Elisa Radziwill, eine Tochter aus gutem und reichem Hause, kannte Wilhelm schon seit Kindertagen. Sie war 12, er 18, als sie sich auf einem Hofball unsterblich ineinander verliebten. Für Wilhelm war klar, dass er mit Elisa zusammen sein und sein Leben mit ihr verbringen wollte. Da er aber in der Thronfolge direkt hinter seinem älteren Bruder stand, musste auch seine künftige Frau der Familie und ihm ebenbürtig sein. Da war es ganz egal, wie viel Land, Häuser und Geld Elisas Familie besaß. Es wurden sogar Gutachten angefertigt, die ihre Standesgemäßheit prüften. Selbst der Vorschlag, sie vom russischen Zaren adoptieren zu lassen, half nichts. Ihr Blut könne man nicht ändern. Wilhelm war verzweifelt – immer wieder sprach er mit seinem Vater über mögliche Wege für ihn und Elisa. Aber es war zwecklos. Nach elf Jahren aussichtsloser Liebe mussten sie aufeinander verzichten. Wilhelm gehorchte.

 

Knapp drei Jahre später kam er dem Wunsch seines Vaters nach und heiratete standesgemäß. Die Ehe war nicht sonderlich glücklich. Wie auch, wenn sie das Erbe einer solch tragischen Jugendliebe trug. Immerhin entstanden daraus zwei Kinder.

 

Aber Wilhelm vergaß Elisa nie. Bis zum Ende seines langen Lebens stand eine Porträtminiatur von ihr auf seinem Schreibtisch.